2479: Lia Middleton – Was sie immer wusste

Ein starker Thriller mit ambivalenten Charakteren – aber einem unpassenden Klappentext!

Ich habe Lia Middletons ersten Thriller „Confession Room“ nicht gelesen, aber einige begeisterte Meinungen dazu gelesen. Der Plot von „Was sie immer wusste“ klang vielversprechend: Harry ist mit Piera verheiratet,  eine Traumehe. Sie ist Staatsanwältin und nach der Geburt ihrer kleinen Tochter in Elternzeit, Harry kist gerade zum Kronanwalt aufgestiegen und muss sich beweisen. Der erste Fall, den er bekommt, bietet genau diese Chance: Er soll Francis Joseph (genannt Frank) verteidigen, der für den Mord an seiner Frau angeklagt wird. Dieser Fall kann seine neugewonnene Position festigen – oder ihn direkt wieder aus dieser herauskatapultieren. Zudem wird ihm der Fall (viel zu) kurzfristig und auf Wunsch des Angeklagten übergeben. Der Druck ist also groß, und Harry tut alles, um einen Freispruch zu erwirken. Doch nach dem Ende des Prozesses wird Frank ermordet, und auch Piera verhält sich merkwürdig.   

Für mich ist „Was sie immer wusste“ leider ein Fall von „Klappentext-Fail“. Denn dieser verrät in meinen Augen zuviel, was man im Verlauf der Geschichte eigentlich selbst merkt und herausliest (und dabei geht es nicht um den Mord an Frank). Nichtsdestotrotz, wenn ich vom Klappentext mal absehe: 

Das Buch wird in drei Teilen erzählt, beginnend mit „Der Ehemann“ und somit aus Harrys Perspektive. Er bekommt Frank als Klienten und muss sich schnell und intensiv mit ihm und seinem Fall auseinandersetzen. Dabei tauchen wir mit ihm tief ein in und erleben die Vorbereitung und auch den Prozess selbst. Dabei weiß er selbst nicht so wirklich, was er glaubt: Ist Frank undschuldig? Der behauptet nämlich ausgerechnet, dass nicht er seine Frau getötet hat, sondern sie sich selbst – was angesichts der Umstände des Todes von Linda sehr unwahrscheinlich aussieht. Harry hat keinen leichten Fall, keine leichte Position und auch keine einfache Gegnerin, denn die Anklage wird von einer sehr erfahrenen Kronanwältin vertreten. In diesem Teil wurde mir als LeserIn sehr deutlich, wie wichtig im britischen Rechtssystem die Rolle der Geschworenen ist und wie die Anklage und die Verteidigung darum kämpfen, diese von der Schuld bzw. Unschuld des Angeklagten zu überzeugen – mit allen Mitteln!

Schon in diesem ersten Teil merkt Harry (und wir mit ihm), dass seine Frau Pietra nicht nur unzufrieden ist, nicht zu arbeite, sondern sich auch seltsam verhält. Er ertappt sie sogar bei einer Lüge, schafft es aber in all dem Stress nicht, ein klärendes Gespräch zu führen – und weiß immer weniger, woran er bei Pietra ist. Im zweiten Teil springen wir dann zu ihr – „Die Ehefrau“ – und erleben einen Teil des schon Gelesenen nochmal durch ihre Augen und dann den Fortgang der Story, bevor im letzten Abschnitt „Das Paar“ dann alles zusammengeführt wird.

Eins ist klar: Jeder in diesem Buch hat Geheimnisse und man kann niemandem trauen. Natürlich weiß man (Klappentext sei Dank…) schon eine Sache, allerdings steckt noch einiges mehr dahinter, was immer nur angedeutet wird und bei dem man versucht, die Wahrheit herauszufinden. Gar nicht so einfach – denn keiner der Charaktere in diesem Buch ist eindeutig nur gut oder eindeutig nicht gut. Im Gegenteil: Ich bin immer wieder mit meiner Meinung über und meinem Empfinden zu den verschiedenen Figuren gesprungen, je nachdem, welche Entwicklung die Geschichte nimmt. Das hat mir richtig gut gefallen und ich finde daher die beiden Teile des Klappentextes, die in meinen Augen Spoiler sind, echt schade, weil zwei einschneidenden Momenten im Buch den Effekt nehmen. Ich glaube, ohne das wäre das Buch eine 5 von 5 gewesen.

So gibt es für „Was sie immer wusste“ aber gute

🐀🐀🐀🐀 4/5 Leseratten

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Piper

2478: Marc Raabe – Im Morgengrauen

Die bisherigen 3 Bände habe ich geliebt, und auch Band 4 der
Art-Mayer-Reihe wartet mit einem knalligen,  ins Auge fallende Cover auf. Auch die Story verspricht Rasanz: Kessy X, eine junge Frau, hat (gesichtslose) Videos im Netz veröffentlicht, in denen sie über ihre Affäre mit dem Bundeskanzler Henrik Westphal spricht. Der verschwindet daraufhin spurlos. Art ist alarmiert, schließlich sind Henrik und er seit der Jugend befreundet (wenn auch nicht immer ohne Probleme und Auseinandersetzungen).

Außerdem wird eine Leiche im U-Bahn-Tunnel gefunden. Handelt es sich um Kessy X? Und wenn ja – wo ist der Bundeskanzler? Art weiß nicht, wem er trauen kann, nicht einmal seiner Jugendliebe Juli (die gleichzeitig Henriks Ehefrau ist…!). Und dann gerät er selbst in den Fokus…

Marc Raabe erzählt „Im Morgengrauen“ mit Blick auf die verschiedenen ProtagonistInnen: Angefangen mit dem ersten Blick auf Kessy X, die am 7. Dezember ihr erstes Video aufzeichnet über die MitarbeiterInnen im Kanzleramt, die sich Sorgen wegen des Verschwindens des Kanzlers machen (bezeichnet als „Tag Null“), bis zu Art Mayer und Nele Tschaikowski. Die beiden untersuchen den Mord an einer jungen Frau in den U-Bahn-Tunneln, was angesichts der enthaupteten Leiche gar nicht so leicht ist. Der Verdacht steht im Raum, dass es die mysteriöse Kessy X sein könnte, doch eine Identifikation ist erstmal nicht möglich. Und dann geht die wilde Fahrt so richtig los:

Die Suche nach Henrik Westphal und nach der Wahrheit hinter den Videos nimmt Art und Nele vollkommen in Anspruch, doch auch privat sind die beiden gefordert: Nele hat mit ihrer kleinen Tochter alle Hände voll zu tun, und ihr Partner Roman verhält sich wenig kooperativ und sonderbar, und Art? Der ist hin- und hergerissen, denn Juli ist seine Jugendliebe (und seine Liebe hat nie wirklich geendet…), doch es ist nicht ausgeschlossen, dass Juli möglicherweise etwas mit der ganzen Sache zu tun hat. Art muss sich außerdem (zusammen mit Nele) um die kleine Milla kümmern (wer die Reihe kennt, kennt auch Milla) und auch mein absoluter Lieblingscharakter kommt vor: Leo!

Da ich nicht spoilern will, kann ich inhaltlich nicht viel verraten, aber: Während wir zwischen Kessys Erlebnissen, Arts und Neles Ermittlungen und dem was Leo so treibt springen, spitzt sich die Spannung nach und nach zu und es zeichnet sich eine mögliche Verbindung zu Arts und Henriks Vergangenheit ab. Außer einem kleinen Stück des Mittelteils, das sich für mich (für Stephan nicht) etwas zog, hat die gesamte Story viel Drive und Rasanz und bringt vor allem viele, viele lose Fäden nach und nach zusammen. Immer wieder hatte ich andere Ideen, was passiert sein könnte und wer damit zu tun hat. Und das schreibt Marc Raabe wie immer großartig!

Daher bekommt „Im Morgengrauen“

🐀🐀🐀🐀,5 4,5/5 Leseratten

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Ullstein

2476: Benjamin Cors – Nebelbeute

Nur noch ein paar Seiten (und dann ist es halb 2 nachts…)

Dass Benjamin Cors Thriller kann, hat er ja eindrücklich mit den ersten beiden Bänden um die „Gruppe 4“ bewiesen. Fans der Reihe (wie ich) haben natürlich auf diesen dritten Band gewartet, und das aus mehreren Gründen: In meinen Augen sind die Charaktere erstklassig. Allen voran natürlich Mila Weiss und Jakob Krogh, aber auch Lucy (die ich einfach super finde) sowie „der Finne“, Lasse, Ludger und die anderen. Oh, nicht zu vergessen den Profiler Bender – der nun wirklich speziell ist. Gleichzeitig schafft Benajmin Cors es, Spannung aufzubauen und uns LeserInnen zu überraschen. Wer die ersten beiden Teile kennt, weiß, dass es einen Fall gibt, der Mila schon lange nicht loslässt, und um den geht es in „Nebelbeute“ (unter anderem): Das Verschwinden der beiden Mädchen Mathilda und Romy. Den beiden hat Mila versprochen, sie zu finden, hat dafür alles gegeben – und jetzt hat sie einen Hinweis, wo sie den möglichen Verantwortlichen Johannes Toblach finden kann. Daher ist sie in eine einsame Berggegend gefahren, um ihn zu jagen. Doch das ist für sie selbst auch nicht ganz ungefährlich. Sie verschwindet.

„Nebelbeute“ wird in drei Teilen erzählt. Der erste Teil –  mit dem Fokus auf Mila – verfolgt vor allem ihre Suche nach Toblach und lässt uns LeserInnen miterleben, wie sie in den einsamen Wäldern strategisch versucht, ihn zu finden und WIE viel ihr das bedeutet. Das Versprechen ist alles für Mila – und sie ist bereit, alles zu tun. Dabei lernt sie auch die BewohnerInnen eines kleinen Bergdorfs kennen. Die sind genau so eigent, wie man sich Dorfcharaktere wünscht: Die Wirtin Maria, der Pfarrer Benedikt Emmler, der Besitzer des Kramladens, der in der Trauer über den Tod seiner Frau versinkt und natürlich auch der Sonderling des Dorfes, der nicht spricht und immer im Lokal sitzt und zeichnet. Kurz nach Milas Ankunft wird eine brutal drapierte und zugerichtete Leiche gefunden, und dann verschwindet Mila – und wir Leser folgen im zweiten Teil verstärkt Jakob und dem Rest der „Gruppe 4“, die Milas Spur in die Bergwälder folgen. Wegen der dort stattfindenden Morde, aber in erster Linie wegen Mila – wovon die örtlichen Ermittler Tom Hillgarten und Rieke Spengler mäßig begeistert sind. Auch Mila hatten sie schon kennengelernt, weil der Mord kurz nach Milas Auftauchen natürlich für Skepsis gesorgt hat – und dann geht der wilde Ritt erst richtig los.

„Nebelbeute“ bringt so vieles mit, was wir begeisterten Thriller-LeserInnen lieben: Hochspannung, einen Serientäter, schrullige Charaktere (das Szenario in dem Bergdorf ist super!), Ermittlungsarbeit und falsche (und richtige) Fährten. Dabei entwickelt Benjamin Cors die Charaktere der „Gruppe 4“ weiter, und zwar jeden und jede für sich. Mila und Jakob mit ihren jeweiligen Geheimnissen, und auch die anderen haben im privaten Bereich jede/r Neuigkeiten. Und jede/r macht das, was er oder sie am besten kann – ein richtig tolles Team. Manchmal (und das ist mein einziger, kleiner Kritikpunkt) vielleicht etwas zu perfekt. Am meisten überrascht hat mich dabei (ebenso wie die KollegInnen) wohl Profiler Max Bender. Und als ich gestern einfach noch ein paar Seiten lesen wollte, konnte ich auf den letzten 150 Seiten einfach nicht aufhören und bin nur so durch das Buch geflogen.

Denn während der genial (!!!) eingebauten Auflösung hält Benjamin Cors noch einen echten Knaller bereit. Und außerdem…. nein, das müsst ihr selbst lesen, denn es ergibt sich aus dem Verlauf dieser irre spannenden Geschichte.

„Nebelbeute“ bekommt daher

🐀🐀🐀🐀,5 4,5 von 5 Leseratten

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DTV

2470: Chris Warnat – Vier Minuten Stille

Highlight ✨ – Was für ein unfassbar starker Thriller!

Schon Chris Warnats Debütthriller „Fünfzehn Sekunden“ hat mich mit seiner gelungenen Kombination aus Charakteren und gutem Plot begeistert. Natürlich musste ich also unbedingt die Fortsetzung lesen! „Vier Minuten Stille“ startet schon im Prolog mit einer temporeichen und unheimlichen Szene: Rahel, eine junge Frau, ist auf einem Festival, und sie fürchtet sich vor jemandem (wer das ist und warum bleibt natürlich erstmal offen) – als ein Unwetter aufzieht. Mit dem ersten Kapitel springen wir LeserInnen dann zeitlich ins Jetzt – und zu Protagonist Wase Rahimi, der zu einem Mord gerufen worden ist. Ein Anruf von einer Tankstelle – „Rahel Winter ist tot. Sie liegt im Garten“, und damit beginnt eine aufreibende Ermittlung für Wase und seine KollegInnen. Nicht nur, dass Rahel nackt auf einem Liegestuhl im Garten liegt, auf dem Kopf eine Mütze (ein bizarrer Anblick!), auch ihre Tochter Louca ist verschwunden. Als Wase beginnt, in Rahels Leben nachzuforschen, stößt er auf mehrere mögliche Motive für den brutalen Mord. An seiner Seite ist Emma Paulsen, aber auch Farah Rosendahl, die wir ja sehr gut aus dem ersten Band der Reihe kennen. Und die Entwicklung, die die Geschichte dann nimmt, ist unfassbar und viel persönlicher, als Wase zunächst denkt.

Als Chris Warnet bei unserer gemeinsamen Session bei Sprengerspricht  andeutete, dass für meine Lieblingsfigur Lennart Bär im zweiten Band der Reihe eine wichtigere Rolle spielen wird, hat mich das unheimlich gefreut. Bär, ein sehr guter Freund von Wase und früher selbst Ermittler, ist ein vom Schicksal gebeutelter Mann, denn sein Sohn ist vor einigen Jahren verschwunden und seine Frau ist todkrank und im Hospiz. In „Fünfzehn Sekunden“ kam er schon vor und spielte dort durchaus auch eine Rolle, und auch jetzt taucht er wieder auf – noch mehr vom Schicksal geschlagen.

Sowieso ist das Chris Warnats ganz große Stärke: Sie schreibt Figuren, in und hinter denen sehr viel mehr steckt, als man zunächst vermutet. Das gilt für Wase und die anderen ebenso wie für Bär, auch wenn dieser (ehemalige) Baum von einem Mann von Anfang an mein Herz berührt hat.

Wase versucht also, Louca und den Mörder von Rahel Winter zu finden – die übrigens die Schwester der bei der Krisenintervention arbeitenden Psychologin Mona Winter ist. Diese Ermittlung fordert von Wase sowohl sein ermittlerisches Können, aber ebenso seine Einfühlsamkeit und seinen Instinkt. Gut, dass er von alldem reichlich hat! Als Protagonist trägt er die Geschichte, und macht sie gemeinsam mit den anderen Figuren (Ermittler ebenso wie Verdächtige) zu einem hochspannenden Thriller. Immer wieder blicken wir auch (kursiv gedruckt) in Rahels Vergangenheit, in der die Lösung des Falles verborgen sein könnten.

Dabei erzählt Chris Warnat sprachlich großartig und oft auch bildhaft („Wenn die Mordermittler ausrücken, werden sie meistens von Stille empfangen. Sie ist dicht und klebrig und unheilvoll. Es ist die Abwesenheit von etwas.“ (S. 21)

All das trägt dazu bei, dass mir „Vier Minuten Stille“ einfach unfassbar gut gefallen hat. Für mich ist es die perfekte Komposition aus tollen, nahbaren Charakteren, einer richtig guten Story und genial verwobenen Spannungselementen. Bis zum Ende habe ich mit Wase, Bär und den anderen gehofft, gebangt, nachgedacht – und war von der Auflösung dieses Falles überrascht (und emotional etwas angefasst). Mit diesem Ende habe ich nicht nur nicht gerechnet, es ist gleichzeitig so rund und passend und dennoch so schrecklich.

Wie unfassbar gut kann ein Thriller sein? Chris Warnat: Ja!

Daher bekommt „Vier Minuten Stille“ verdiente

🐀🐀🐀🐀🐀 5/5 Leseratten

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Vielen lieben Dank an Chris Warnat  und Penguin  für das Rezi-Exemplar!

2469: Alice Feeney – Nebelinsel

Alice Feeney – für mich immer eine sichere Nummer für spannende Lesestunden!

Im Mittelpunkt von Alice Feeneys neuem Thriller steht der Autor und Ich-Erzähler Grady Green, für den sich ein Traum erfüllt: Mit seinem ersten Buch landet er auf der Bestsellerliste der New York Times. Doch als ein Anruf ihn genau darüber informiert, ist seine Frau Abby zu seiner Enttäuschung nicht zuhause, obwohl sie eigentlich da sein wollte. Viel beunruhigender ist aber, dass Abby, die als Enthüllungsjournalistin arbeitet, ihm bei seinem Anrufmitteilt, sie sei unterwegs und eine Frau läge auf der Straße. Grady warnt sie, nicht auszusteigen – doch als er dann zu der Stelle fährt, an der sich Abby gerade befunden haben muss, steht dort nur noch ihr verlassenes Auto. Die Polizei beendet die Suche irgendwann ergebnislos, und mit Grady geht es steil bergab.

Er wohnt in einem abgerockten Hotel und hat immer noch kein zweites Buch geschrieben. Seine Agentin Kitty, gleichzeitig Patentante seiner Frau Abby, macht ihm klar, dass der Verleger wegen Nichterfüllung des Vertrags über zwei Bücher seinen Vorschuss zurück haben wollen wird- doch Grady will unbedingt ein zweites Buch schreiben. Kitty schlägt ihm vor, auf einer kleinen Insel namens Amberly in der Schreibhütte eines ehemaligen Autoren zurückgezogen zu schreiben. Grady willigt ein, auch wenn der Gedanke, nach Schottland zu gehen, ihm erstmal nicht so richtig behagt – doch welche andere Möglichkeit hat er in seiner Situation?

Und dann geht es erst richtig los: Charles Whittaker, dem die Hütte ursprünglich gehörte, ist in dieser verstorben. Grady findet nicht nur eine Menge Staub, sondern auch ein Dokument, anscheinend ein unveröffentlichtes Buch von Whittaker, UND Grady sieht eine Frau, die genau so aussieht wie Abby. Irgendwas scheint auf der Insel seltsam zu sein… und auch die Bewohnerinnen wirken speziell. Gleichzeitig lesen wir immer wieder aus der Ich-Perspektive von Abby, eine Woche vor ihrem Verschwinden, und auch da kommen Fragen auf. 

Alice Feeney hat in meinen Augen Thriller mit Hochspannung echt drauf. Da wir die Geschichte aus Gradys Sicht lesen, folgen wir ihm natürlich in seinen Beobachtungen, Überlegungen und Gefühlen. Und die sind – alle miteinander – sehr wechselhaft, denn einerseits hat er das Problem, ein Buch schreiben zu müssen, aber der Verlust seiner Frau bringt ihn ebenso aus der Fassung wie die teilweise unheimlichen Geschehnisse auf Amberly.

Mit Grady habe ich mitüberlegt, Theorien entworfen, was passiert sein könnte, sowohl mit Abby als auch mit dieser merkwürdigen Insel; ich habe überlegt, was eine Rolle gespielt haben könnte, ob Abby vielleicht als Enthüllungsjournalistin einer Sache auf die Spur gekommen ist, die ihr gefährlich wurde, oder ob ihr etweas ganz anderes widerfahren ist.

Grady war mir als Charakter weder besonders sympathisch noch besonders unsympathisch, und auch Abby, so wie man sie kennenlernt, war für mich eher schwer einzuschätzen. Die Einwohnerinnen der Insel sind schon charakterstärker und man fragt sich bei vielen von ihnen, was sie möglicherweise zu verbergen haben.

Die Spannung, die sich aufbaut und für mich durchgehend erhalten blieb, ist allerdings enorm – und mit der Auflösung hätte ich nie im Leben gerechnet, zumal sie gleichzeitig auch eine sehr wichtige und präsente Wahrheit thematisiert. Über die kann ich natürlich weiter nicht viel erzählen, spreche aber für „Nebelinsel“ eine deutliche Leseempfehlung aus!

„Nebelinsel“ bekommt nur einen leichten Abzug aufgrund der teilweise etwas blassen Charaktere und verdient sich somit

🐀🐀🐀🐀,5 4,5/ 5 Leseratten

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Heyne

2464: Eryn Scott – Die geheime Treppe

ACHTUNG SPOILERWARNUNG: Erst Band 1 lesen, ansonsten werdet ihr in der Rezi eventuell gespoilert! Nachdem ich „Ein Mord in 3B“ gelesen hatte, wollte ich unbedingt direkt danach den zweiten Band der „Morrisey Mysteries“ lesen.

Inzwischen hat sich Meg im Morrisey-Gebäude eingelebt, und die Situation hat sich gerade ein wenig beruhigt (und mit ihr die Bewohner). Zumindest weitestgehend, denn das Vorhandensein von Gängen am Gebäude beunruhigt doch einige. Als es um das Verschließen dieser Gänge geht, findet Meg durch Zufall eine geheime Treppe, die in den Untergrund führt. Und ein Skelett – inkluisve des dazugehörigen Geistes. Doch dabei bleibt es nicht, es gibt außerdem eine Flüsterkneipe (ein Speakeasy) dort unten mit Retro-Geistern – und eine „frische“ Leiche. Megs Schwarm Laurie, der sich aktuell auf einer Insel weit weg befindet, kann ihr bei der Lösung beider Fälle diesmal nur aus der Ferne zur Seite stehen. Zum Glück gibt es ja noch Detective Anthony und vor allem Ripley, Megs beste Freundin (und ein Geist).  

Dieser 2. Band der Cosy-Crime-Reihe ist anders als Teil 1- aber genau so spannend, cosy, unterhaltsam und ungewöhnlich wie „Ein Mord in 3B“! Die Charaktere, die man schon kennt, hat man längst liebgewonnen: Meg mit ihrer gescheiterten Kunst-Karriere, die sie immer noch nicht vollständig loslassen kann, Laurie, der echt ein netter und sympathischer Typ ist und Megs Geisterfreundin Ripley, die sich gerne mal unglücklich verliebt stehen im Fokus der Story. Aber auch die anderen Bewohner des Morrisey und Hausverwalterin Nancy kennt und mag man. Aber auch die neuen Charaktere sind interessant, und bei ihnen weiß man ja auch nicht, wem man trauen kann und wem nicht – z.B. verschiedene Geister, die eine Rolle spielen oder Barkeeperin Zoe.

Die Fälle selbst sind gar nicht so leicht zu entwirren, und trotz des Jahrhunderts, das beide Tode trennt, scheint es einen möglichen Zusammenhang zu geben.

Auch „Die geheime Treppe“ kommt ohne blutige Schilderungen oder viel Action aus, aber das Setting inklusive des Speakeasy ist nochmal ganz anders als im Vorgängerband. Außerdem ist das Gedankenexperiment mit den Geistern richtig toll umgesetzt – dass es sich für einen Geist z.B. anders anfühlt, wenn ein Mensch durch sie hindurchläuft, als wenn eine Katze das tut, und noch mehr.

Mir hat auch dieser 2. Band der Reihe wirklich gut gefallen und er bekommt daher

🐀🐀🐀🐀 4/5 Leseratten

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2462: Riley Sager – Middle of the night

Die Bücher von Riley Sager sind für mich ein stetiges Auf und Ab. Das eine liebe ich (Hopes End), das andere gefällt mir kaum bis gar nicht (Night). Die Story von „Middle of the night“ hat mich neugierig gemacht, also: Let´s try. Vor 30 Jahren verschwand Ethan Marshs Freund Billy Barringer beim gemeinsamen Zelten im Garten in Hemlock Circle. Im Zelt ein Loch, Billy verschwunden, und seitdem leidet Ethan unter Schlafstörungen. Wie konnte er die Entführung seines besten Freundes verschlafen? Als Ethan 30 Jahre später (seine Eltern sind aus dem Haus der Familie ausgezogen) nach Hemlock Circle, einen ruhigen Vorort, zurückkehrt, merkt er, dass seltsame Dinge vorgehen. Bewegungsmelder-Lampen gehen an, obwohl niemand, nichtmal ein Tier, zu sehen ist, ein Baseball taucht auf, den Ethan eindeutig mit Billy verbindet, und noch mehr. Ist es Billy, der noch irgendwo da draußen ist? Wird Ethan endlich erfahren, was damals mit seinem Freund passiert ist? 

Riley Sager erzählt „Middle of the night“ auf zwei Zeitebenen, mit Ethan im „Jetzt“, nach seiner Rückkehr, aber man blickt auch immer wieder in die Vergangenheit und die Geschehnisse vor der verhängnisvollen Nacht im Zelt. Denn Ethan, Billy und ihre Freunde haben sich mit einem mysteriösen Institut beschäftgt, dem „Hawthorne-Institut“, an dem angeblich mysteriöse Forschung betrieben wurde. Billy interessierte sich außerdem für Übernatürliches und Mystisches. Spielte das eine Rolle – wenn ja, welche? Auf beiden Zeitebenen begegnet man natürlich denselben Familien und teilweise auch Personen, wie den Nachbarn, Familie Chen und Patel bzw. deren Söhne Johnny und Ragesh. Das hat mich natürlich zum Mitüberlegen und Vermuten gebracht: Was ist vor 30 Jahren wirklich passiert, welchen Zusammenhang gibt es mit Billys Verschwinden und wer hing und hängt da mit drin? Warum geschehen nach 30 Jahren so seltsame Dinge?

Ethan versucht wirklich alles, um sich zu erinnern, geht sogar so weit, nochmal im Zelt im Garten zu übernachten. Dabei stehen ihm einige Leute zur Seite – aber trauen kann man eigentlich niemandem so wirklich. Oder passieren doch übersinnliche Dinge, für die sich Billy ja so interessiert hat?

Für mich ist „Middle of the night“ nicht Riley Sagers stärkstes Buch, aber auch nicht sein schwächstes. Irgendwo dazwischen, denn die Auflösung ist zwar gut konstruiert und die vielen Fährten, denen man folgt, führen einen auf zahlreiche falsche (oder richtige?) Spuren. Manchmal war mir das aber fast schon zuviel und die Story wirkte dadurch etwas überladen. Fakt ist, dass sich auch „Middle of the night“ spannend liest und gut weglesen lässt, für mich aber keine absolute Empfehlung ist.

Daher bekommt es

🐀🐀🐀, 5 3,5 von 5 Leseratten

[ad/unbezahlte Werbung, selbst gekauft] DTV

2460: Thomas Knüwer – Giftiger Grund

Meine Meinung zu „Giftiger Grund“ von Thomas Knüwer hört ihr in dieser Folge. Und darum geht es:
Nach dem Prolog – einem Überfall auf eine Tankstelle – springen wir LeserInnen gleich in die Ich-Perspektiven der erst zwei, dann drei ProtagonistInnen. Da ist Charu, die einen Lost-Places-Channel hat und mit ihrem Markenzeichen, der Glitzerkatze, unverwechselbaren Content produziert. Damit ist sie erfolgreich – hat aber durchaus auch Probleme, so wohnt sie z.B. mehr oder weniger in ihrem Auto, wenn sie nicht in der Wohnung ihrer Schwester Tara übernachtet. Und dort ist auch immer wieder der Freund ihrer Schwester, der Charu alles andere als sympathisch ist. Joran ist nach sieben Jahren gerade aus dem Gefängnis entlassen worden, weiß nicht wohin mit sich, kennt vieles nicht, was inzwischen für alle um ihn herum selbstverständlich ist und muss irgendwie wieder auf die Füße kommen. Und es gibt Edda, ein kleines Mädchen, das auf Charus nächtlichen Aufnahmen einer verlassenen Tankstelle auftaucht. Natürlich ist die Frage: Wo kommt sie her und wieso treibt sie sich nachts an solchen Orten herum? Als Joran an ebendieser Tankstelle nach der Beute von vor sieben Jahren sucht, kreuzen sich die Wege der drei. Und es gibt eine Leiche – Joran findet sie, die Leiche eines ehemaligen Komplizen… Droemer

2459: Annika Strauss mit Sebastian Fitzek – REM

Wenn außergewöhnliche Talente ihre Energien bündeln: Die „German Screamqueen“ und der „King of Thriller“ veröffentlichen mit REM ihren ersten gemeinsamen Horrorthriller. Und der hat es in sich: Alysee, die mit vier Jahren nach ihrer Mutter auch noch ihren Vater verlor, studiert inzwischen. Sie gibt sich die Schuld an seinem Tod. Er hatte ihr gesagt, sie dürfe auf keinen Fall einschlafen – doch sie fiel trotzdem ins Reich der Träume.
Als eine Anwältin ihr das Vermächtnis ihres Vaters überbringt, sieht sie eine Chance, der Wahrheit über ihre Vergangenheit näher zu kommen. Doch sie ahnt nicht, was sie und ihren besten Freund Nico im „Hotel de Ville“ erwartet… Droemer

2455: Freida McFadden – Der Freund

Spannender Thriller oder Plottwists aus der Hölle?

An den Thrillern von Freida McFadden scheiden sich ja die Geister, und auch ich fand einige Bücher gut und andere sehr gurkig (Millie Teil 2 und 3 lassen grüßen). Dennoch schreibt Freida McFadden in meinen Augen grundsätzlich sogerzeugend, und ich gebe ihren Büchern eigentlich fast immer eine Chance.

In „Der Freund“ will Ich-Erzählerin Sydney endlich Mr. Right kennenlernen. Stattdessen hat sie ein misslungenes Date mit Kevin, der nicht nur anders aussieht als auf seinem Bild in der App, sondern sich auch noch als echter Unsympath entpuppt. Und: Er gibt trotz eines klaren „Nein“ nicht auf. Nachdem Sydneys Freundin Bonnie ihr beigestanden hat, um ihn loszuwerden, wird sie ermordet. Steckt am Ende Kevin dahinter? Oder der mysteriöse Arzt, den Bonnie selbst gedatet hatte? Oder etwas ganz anderes?

Freida McFadden präsentiert ihren LeserInnen eine ganze Reihe schwer durchschaubarer Figuren, die man eigentlich alle verdächtigen könnte… Heyne

2454: Alex Beer – Felix Blom. Mord an der Spree

Der dritte Band dieser grandiosen Buchreihe verwickelt Blom und Mathilde in einen Fall, der eng mit Mathildes Vergangenheit verbunden ist. Während Blom unterwegs ist, beginnt Mathilde in einem Fall zu ermitteln, der sie zu Charlotte Krüger führt. Und Charlotte ist keine Unbekannte: Sie war einst Teil von Mathildes Freundinnenkreis, zu dem Mathilde selbst, Charlotte, aber auch Antonia und Agnes gehörten, verbunden durch ihren Beruf als Prostituierte und allem, was damit zusammenhängt. Doch 1870 verschwand Agnes aus einem Biergarten während eines gemeinsamen Ausflugs und tauchte nie wieder auf.
Dann gibt es einen Mord und Mathilde landet als Verdächtige im Gefängnis. Blom hat alle Hände zu tun, um ihre Unschuld zu beweisen, bevor sie zum Tode verurteilt wird und muss gleichzeitig den Fall lösen. Welche Verbindung zu Agnes Verschwinden gibt es?
In zwei weiteren Strängen erleben wir LeserInnen die Zeit vor, zu und nach Agnes´ Verschwinden, mit dem Blick auf die vier (drei) Freundinnen, und wir lernen eine junge Frau kennen, die sich zu ihrer Schwester flieht, und bei der wir lange nicht wissen, ob ihre Ängste und Befürchtungen begründet sind. Natürlich ist die Frage: Wie hängt das alles zusammen? Limes

2452: Marika Neitz – Das Forsthaus

Eine auf zwei Zeitebenen spielende Geschichte präsentiert uns Autorin Marika Neitz in ihrem ersten Kriminalroman „Das Forsthaus“ – und beide Ebenen haben es in sich!
In der Gegenwart zieht Katharina mit ihrem Mann Phillip in den Westerwald – er hat dort ein altes Forsthaus gekauft und will es renovieren, oder eher: Muss es renovieren, denn es ist in einem grauenvollen Zustand. Gut, dass er Architekt ist. Doch Katharina ist unglücklich – nicht nur über Phillips eigenmächtige Entscheidung, sondern besonders wegen ihres unerfüllten Kinderwunschs. Als sie herausfindet, dass vor einigen Jahren ein Mord in dem Forsthaus passiert ist und es vor längerer Zeit in der Gegend zu Morden an Kindern gekommen war, erwacht die Journalistin in ihr.
In der Vergangenheit lernen die LeserInnen Flora kennen, deren große Liebe im Krieg gefallen ist, weswegen sie Rudi geheiratet hat. Was dann passiert ist und wie es später zu dem besagten Mord kam, gibt nicht nur Katharina Rätsel auf… Saga Egmont

2450: Matthew Blake – Sophie L.

Kann man seinen Erinnerungen trauen? Diese Frage stellt sich Protagonistin Olivia Finn ständig beruflich – denn sie ist Gedächtnisexpertin. Als jedoch ihre Großmutter in einem Pariser Hotel auftaucht und behauptet, ganz anders zu heißen und vor langer Zeit einen Mord begangen zu haben, wird die Frage für Olivia auch eine persönliche.
Das zweite Buch von Erfolgsautor Matthew Blake ist erneut ein psychologischer Thriller. Diesmal geht es nicht um Schlafwandeln wie bei „Anna O.“, sondern um die Zuverlässigkeit von Erinnerungen. Auch dieses Mal arbeitet der Autor mit verschiedenen Zeit- und Erzählebenen, die er geschickt verbindet und mit denen er seine LeserInnen und Leser auf falsche (und richtige…) Fährten führt. Fischer

2445: Tina N. Martin – Schattenschwester

Im dritten Band der Reihe um Ermittlerin Idun Lind verwebt Tina N. Martin erneut gekonnt mehrere Erzählstränge zu einer sehr spannenden und außerdem dramatischen Geschichte. Im Mittelpunkt steht das Thema Familie in vielfacher Hinsicht – nicht nur, weil die Tote, die von einem Kirchturm stürzt, Iduns Cousine ist. Als die Ermittlungen Idun und Calle zu einem Kinderheim führen, offenbaren sich nicht nur die Schicksale von Elivira und anderer junger Menschen, sondern auch die Tatsache, dass ein weiteres Mädchen nach Elvira aus dem Kinderheim verschwunden ist… blanvalet

2444: Ruth Ware – The woman in suite 11

7 Jahre nach dem Erfolg von „The woman in cabin 10“ setzt Ruth Ware die Geschichte von Reisejournalistin Lo Blacklock fort: Sie hat zwischenzeitlich geheiratet, zwei Kinder und möchte jetzt – 10 Jahre nach den Ereignissen auf der „Aurora“ endlich wieder arbeiten. Als sie in die Schweiz zur Eröffnung eines Nobelhotels eingeladen wird, ist das DIE Chance für sie. Doch da weiß Lo noch nicht, was sie dort erwartet und dass sie bald in einen mysteriösen Mordfall hineingezogen wird… dtv

2435: Simon Beckett – Knochenkälte

Das Warten hat ein Ende: Endlich gibt es einen neuen Fall für David Hunter! Diesmal wirft Simon Beckett seinen Protagonisten in eine ziemlich krasse Situation: Da er dummerweise nachmittags statt am nächsten Morgen losgefahren ist, es schon dämmert und das Wetter miserabel ist, strandet Hunter in einem kleinen Ort. Nicht nur, dass die Bewohner ihm gegenüber ziemlich feindselig auftreten – bei einem Spaziergang findet Hunter ein Skelett in einem umgestürzten Baum. Ohne Handynetz, ohne Strom und ohne Unterstützung begibt Hunter sich auf Spurensuche. Und die führt ihn in die Vergangenheit der Gegend und der Dorfbewohner… Rowohlt Wunderlich

2430: Iliana Xander – Love, Mom

Mackenzie Casper ist Tochter einer Bestsellerautorin. Als ihre Mutter bei einem Unfall stirbt, gibt es eine pompöse Trauerfeier, an deren Ende sie einen Brief in ihrem Auto findet. Von ihrer Mutter, die ihr verspricht, ihr ein Geheimnis anzuvertrauen. Auf diesen Brief folgen weitere, und Mackenzie beginnt, in der Vergangenheit zu graben. Dabei kann sie – genau wie wir LeserInnen – niemandem trauen… Heyne

2428: Max Bentow – Rabenland

Der 2. Fall für Carlotta Weiss und Nils Trojan (oder der dritte, wenn man „Engelsmädchen“ mitzählt, in dem die beiden sich das erste Mal begegnen) ist diesmal verzwickt und hoch emotional: Ein Mädchen, das ein Jahr verschwunden war, taucht wieder auf. Abgelegt vor einer Klinik, anscheinend angefahren. Während Carlotta versucht, einen Zugang zu Lilly zu finden, ermitteln Trojan und sie unter Hochdruck. Lilly spricht immer wieder von Raben, mit denen sie kommunizieren kann. Dann entwickeln sich die Geschehnisse dramatisch… Goldmann

2426: Daniel Kohlhaas – Je tiefer der Wald

Wow! Daniel Kohlhaas kann Psychothriller, und wie: Mit Spannung, Atmosphäre und Charakteren, die einen ebenso positiv wie negativ berühren können! Vor 10 Jahren verschwand die dreijährige Leni bei einem Waldspaziergang. Die Ehe ihrer Eltern Julia und Sebastian zerbrach, Julia hat bis heute Albträume. Da taucht ein Mädchen auf, das nur ein Wort sagt: Leni. Kinder- und Jugendpsychologe Vinzenz Reker kümmert sich um sie und versucht gleichzeitig herauszufinden, ob es wirklich Leni ist und was vor 1o Jahren passiert ist. Doch nicht nur der Wald ist dunkel, sondern auch die Geheimnisse vieler an dieser Geschichte Beteiligter… Infos zum Buch bei Daniel Kohlhaas; erschienen bei CW Niemeyer

2425: Anne Elvedal – Station 22

Ida ist Krankenschwester auf der Station 22 und bei den PatientInnen sehr beliebt. Als eine von ihnen verschwindet, wird Ida mit ihrer eigenen Vergangenheit und ihren eigenen Abgründen konfrontiert. Denn sie selbst wurde als Kind entführt und gefangen gehalten… Ullstein

2423: Roman Klementovic – Dunkelnah

Roman Klementovic begeistert mich immer wieder mit seinen Thrillern – und mit seinen Lesungen! In „Dunkelnah“ vereint er so viele tolle Elemente zu einem superspannenden Buch: Ein altes, verfallenes Hotel, das renoviert werden soll, eine anscheinend verschwundene Frau und skurrile Figuren: Die merkwürdigen Besitzer des alten Kastens aber auch Protagonist und Ich-Erzähler Simon, dessen Vergangenheit ihn dazu bringt, an der Renovierung der Bruchbude mitzuarbeiten. Dann begibt Simon sich auf Spurensuche – und die ist nicht ungefährlich… Gmeiner

2422: Anna Bailey- Unsere letzten wilden Tage

„Unsere letzten wilden Tage“ ist als Roman gekennzeichnet – und es ist ein atmosphärisches und sprachlich grandioses Meisterwerk! Anna Bailey erzählt eine Geschichte, die in den Sümpfen Louisianas spielt. Ihre bildhafte Sprache in der Kombination mit ihren authentischen Charakteren – oft echte „Typen“ – verbinden sich zu einem mitreißenden Buch, das eine Geschichte von Mut und Konfrontation erzählt.
Loyal, die nach Jacknife zurückkehrt, hofft, sich mit ihrer früheren Freundin zu versöhnen. Cutter ist Alligatorenjägerin, hartgesotten und taff. Als sie jedoch ermordet wird, bevor Loyal Kontakt zu ihr aufnehmen kann, ist Loyal wild entschlossen, die Wahrheit über ihren Tod herauszufinden. Doch das ist alles andere als ungefährlich… rütten&löning

2421: Hubertus Borck – Die gute Tat

Im vierten Band der Reihe um Franka Erdmann und Alpay Eloğlu präsentiert uns Hubertus Borck eine geschickt konstruierte und hervorragend geschriebene Story, die viel tiefgründiger ist, als man am Anfang vermutet. Außerdem sind die Figuren, besonders Franka und Alpay, richtig gut geschrieben und beide entwickeln sich auf ihre Weise weiter – so dass sie den Fall, der sie beschäftigt und der komplex ist, gemeinsam in Angriff nehmen können. Tötet jemand Menschen, die Gutes tun? Und wenn ja- warum? rowohlt

2419: Freida Mc Fadden – Der Lehrer

Freida McFaddens Thriller spalten die Fans dieses Genres – die einen finden sie genial, die anderen finden, dass die Autorin immer nach dem gleichen Schema schreibt. Wie ich das sehe, hört ihr in der neusten Folge der Krimikiste.
In ihrem neuen Buch „Der Lehrer“ schreibt Freida McFadden auch wieder in Ich-Perspektiven: In denen der Lehrerin Eve und der Schülerin Addie. Erstere ist mit Nate Bennett verheiratet, dem bestaussehendsten Lehrer der Schule. Addie hat letztes Schuljahr einen Skandal an der Schule ausgelöst und leidet immer noch an den Folgen. Jetzt ist Addie in Eves Mathekurs – und in Nates Englischkurs. Ist sie eine Gefahr für ihn oder er für sie? Und was verbirgt Eve? Heyne

2418: Harlan Coben – In tiefster Nacht

Der neue Standalone-Thriller von Harlan Coben zeigt wieder einmal, dass er ein Meister verwickelter und überraschender Storys ist – und dass Charaktere eine eindeutige Stärke seiner Bücher sind.
Sami, der 2003 in Malaga Anna kennenlernte, glaubt bis heute, dass sie tot ist – denn er erwachte neben ihrer blutüberströmten Leiche. Inzwischen aus dem Polizeidienst ausgeschieden und als Privatdetektiv tätig, entdeckt er Anna (?) eines Abends in seinem „No shit, Sherlock“ -Kurs. Was dann beginnt, hätte er sich niemals vorstellen können… Goldmann

2417: Romy Hausmann – Himmelerdenblau

„Himmelerdenblau“ ist in meinen Augen Romy Hausmanns bestes, berührendstes und gleichzeitig wichtigstes Buch. Die Verbindung aus einer hochspannenden Geschichte und Romys Kunst, diese Geschichte auf ihre Weise zu erzählen, ist einzigartig!
Julie Novak verschwand 2003, der Fall wurde nie geklärt. Ihr Vater Theo hat nie aufgegeben, leidet aber inzwischen an fortschreitender Demenz. Als Podcasterin Liv gemeinsam mit ihrem Freund Julies Fall für ihren True-Crime-Podcast aufgreift, will sie auch mit Theo sprechen. Wird Theo noch erfahren, was mit Julie passiert ist, bevor die Demenz ihm diese Möglichkeit nimmt? Penguin

2416: Satu Rämö – Hildur. Die Toten am Meer

Im vierten Band von Satu Rämös Hildur-Reihe gibt es für Hildur und ihren Kollegen Jakob einige Baustellen: Ein Kreuzfahrtschiff läuft ein, von dem ein stark blutender Mann heruntertorkelt und auf dem Hof von Hildurs Familie werden bei Bauarbeiten menschliche Knochen gefunden. Und das ist längst nicht alles: Auch Hildurs Familiengeschichte ist noch nicht gänzlich geklärt, ebenso wie der Fall ihrer Schwester… Heyne

2414: Colin Hadler -Seven Ways to Tell a Lie

Was für ein Ritt! Sieben Freunde und ihre Geheimnisse: Als ein Deep-Fake-Video eines Busunfalls auftaucht, glauben Jonah und die anderen noch an einen schlechten Scherz. Doch es tauchen weitere Videos auf, in denen immer eine/r von ihnen vorgeblich selbst sein oder ihr Geheimnis enthüllt. Wer steckt hinter den Videos und was hat das alles mit der Entführung ihrer Freundin Enya vor genau einem Jahr zu tun? Für Jonah, Samuel, Victor, Laurin, Jessica und Ruby beginnt ein Wettlauf mit der Zeit… thienemann

2411: Frida Skybäck – Eisenblume

Ein schwedischer Volltreffer: Unheimlicher Handlungsort, heftiger Background hinter der Geschichte und zwei Protagonisten, die sind wie Tag und Nacht!
Der zweite Fall für Fredrika Storm und Henry Calment führt die beiden in eine verlassene Psychiatrie, in der durch Zufall eine Wand einstürzt – hinter der sich die Reste einer Leiche verbergen. Alle müssen an die beiden 1987 aus selbiger Psychiatrie verschwundenen Jugendlichen denken, die nie gefunden wurden. Fredrika und Henry müssen sich mit der Vergangenheit konfrontieren – in jeglicher Hinsicht: Mit der der Psychiatrie und ihren brutalen Behandlungsmethoden ebenso wie mit diesem Cold Case… dtv

2410: Frida Skybäck – Schwarzvogel

Eine junge Frau läuft auf einen zugefrorenen See, sie bricht ein und stirbt. Doch warum ist es dazu gekommen? Wurde die Frau verfolgt – und wenn ja, wieso?

Frida Skybäcks erster Band mit Fredrika Storm und Henry Calment ist ein Schweden-Krimi vom Feinsten: Zwei sehr gegensätzliche Ermittler und ein komplizierter Fall, der die beiden auf ganz unterschiedliche Weise herausfordert. Denn Henry ist ein verschrobener Typ und Fredrika gerade erst nach Lund zurückgekehrt – und die Frage, wieso eine junge Frau zu Tode kam, führt Fredrika unter anderem zu den Mitgliedern ihrer eigenen Familie… dtv