2475: Leonie Swann – Widdersehen

Ein Wieder (Widder-)sehen mit vielen alten Bekannten und der alten Heimat Glennkill! Vor 21 Jahren hat Leonie Swann mit „Glennkill“ (2005) ihren ersten Schafskrimi veröffentlicht – und der hat mich damals ebenso wie viele andere absolut mitgerissen. Nicht nur wegen der „niedlichen Schafe“, sondern vor allem wegen des Wortwitzes und der Schafs-Gedanken und -ermittlungen. Inzwischen gibt es Miss Maple, Mopple the Whale und die anderen Mitglieder der Schafsherde auch im Kino zu sehen. Für mich viel interessanter ist aber der dritte Schafskrimi-Band „Widdersehen“, denn nachdem ich „Glennkill“ geliebt habe, war Teil 2 „Garou“ (2010) zwar auch toll, kam aber nicht an den ersten Teil heran. Vielleicht lag es auch an dem Setting in Frankreich, das könnte ich mir nach dem Lesen von „Widdersehen“ tatsächlich vorstellen.

Fakt ist: Ich habe „Widdersehen“ mit großer Vorfreude entgegengefiebert, und auch die Schafsherde freut sich, nach Hause zurückzukehren. Ihre Schäferin Rebecca bricht die Reise durch Europa ab und kehrt nach Irland zurück, doch da ist längst nicht alles so, wie die Schafe esd in Erinnerung haben. Drei Fremdschafe bevölkern ihre Weide und der Metzger taucht in vollkommen neuer Funktion auf, während Rebecca verschwindet. Miss Maple, Leitwidder Othello und den anderen ist klar: Sie müssen sie dringend suchen, denn was ist eine Herde ohne Schäferin oder Schäfer? Bei all dem spielen schmutzige Geschäfte und abgeschnittene Finger eine ganz eigene Rolle. Da bleibt zu hoffen, dass die Wollensstärke und die Wollidarität der Herde ausreicht, um das alles wieder geradezubiegen. 

Ich machs mal kurz: Ich hab´s geliebt. Das Wiedersehen nach so langer Zeit mit den liebenswerten, schrulligen und besonderen Charakteren der Schafe war einfach nur toll. Auch wenn „Garou“ jetzt schon 16 Jahre her ist, war ich sofort wieder drin. Ja, hilfreich ist sicherlich auch die Auflistung der „Dramatis Oves“ am Anfang des Buches, aber auch ohne diese Personen- .. Pardon, Schafsliste hätte ich die ProtagonistInnen sofort wieder draufgehabt. Miss Maple als klügstes Schaf der Herde, Othello als Leitwidder, Sir Ritchfield, der sich so gerne duellieren will… all diese schafigen Helden waren sofort wieder da.

Zurückgekehrt nach Irland müssen sie sich gleich so viele Herausforderungen stellen – Rebecca ist weg, sie brauchen eine/n neue/n SchäferIn, der oder die ihnen vorliest und sich um sie kümmert, so wie es George früher immer gemacht hat, bevor er in Band 1 (kein Spoiler) ermordet wurde. Gleichzeitig verfolgen wir LeserInnen auch immer wieder, was James Flock tut – wer das ist und welchen Zusammenhang es zwischen ihm und Rebeccas Verschwinden gibt, verrate ich natürlich nicht. 

Was die Bücher von Leonie Swann wirklich auszeichnet, ist, dass ich mir einfach vorstellen kann, dass die Schafe der Herde wirklich genau so denken könnten, wie sie es in der Geschichte tun. Sie interpretieren alles aus ihrer Schafssicht, und die ist – das muss man mal hervorheben – so oft eigentlich sehr viel logischer als vieles, was wir Menschen so anstellen (und uns dabei für besodners klug halten…). Gleichzeitig streut Leonie Swann einfach ihren unverwechselbaren Humor ein, der mich an soooo vielen Stellen hat schmunzeln lassen. Diese Verbindung ist in meinen Augen einzigartig und kein anderer Tierkrimi hat das jemals auf dem Level erreicht, das Leonie Swann schafft. Wenn da ein abgetrennter Finger in der Teetasse steht, wundern die Schafe sich, wieso – denn wenn Rebecca ihren Tee mal mit dem Finger umgerührt hat, ja, wenn überhaupt, dann nur mit ihren eigenen und angewachsenen Fingern.

Ich könnte noch so viele Beispiele bringen, aber das würde diesem Buch den Drive nehmen. Daher kann ich nur sagen: Lest diese Fortsetzung unbedingt, denn in meinen Augen kommt „Widdersehen“ wieder ganz nah an den Effekt heran, den „Glennkill“ damals auf mich hatte. Inklusive der Tatsache, dass bei all den schafischen Betrachtungsweisen auch immer wieder eine ganz großartige Weisheit durchblitzt. Zum Beispiel, wenn Madouc, Schaf auf Probe (ihr kennt sie vielleicht als Ziege aus „Garou“) proklamiert: „Werden ist interessanter als sein!“ 

Recht hat sie, finde ich. Und wenn ihr Glennkill gemocht habt, kann ich euch „Widdersehen“ nur voll und ganz ans Herz legen! Dieses großartige, großschafige Buch bekommt von mir daher voll und ganz verdiente 

🐀🐀🐀🐀🐀 5/5 Leseratten 

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Dumont

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