2473: Madeline Cash – Verlorene Schäfchen

Sinnkrisen, persönliche Katastrophen und realistisch-skurrile Figuren statt Vorzeigefamilie

Die Familie Flynn, die im Mittelpunkt von „Verlorene Schäfchen“ steht, könnte eine echte Klischeefamilie sein: Mutter Catherine, Vater Bud und die drei Töchter: Harper (12), Louise (15) und Abigail (17). Doch Catherine hat neuerdings Interesse an Nachbar (und Buds Feind) Jim Doherty, woraufhin Bud beschlossen hat, im Auto in der Garage zu wohnen. Er arbeitet als Buchhalter für den Alabastar Harbour, der (wie gefühlt die ganze Stadt) dem Tech-Milliardär und Sohn des Stadtgründers Paul Alabaster gehört. Dessen Machenschaften scheinen nicht ganz sauber zu sein, doch damit will sich niemand auseinandersetzen – außer vielleicht Buds Tochter Harper, die „verhaltenskreativ“ ist, äußerst intelligent, aber auch gleichzeitig eine riesige Verschwörung wittert. Nicht, dass es mit den beiden anderen Mädchen problemlos läuft: Louise, die „Mittlere“ und „Gewöhnliche“ hat Kontakt zu einem (mutmaßlich) kanadischen Online-Freund, der sie überreden will, eine Bombe zu bauen und Abigail, die einfach unfassbar hübsch ist, geht eine Beziehung mit „Kriegsverbrecher-Wes“ ein, der übrigens als Wachmann bei den Alabasters arbeitet. 

Ach ja, noch nicht erwähnt habe ich die Mückenplage in der Kirche, an der Father Andrew eindeutig Miss Winkle die Schuld gibt. Sie hat nämlich eine Pflanze angeschleppt. Aber Miss Winkle leitet auch die Selbsthilfegruppe „Verlorene Schäfchen“, der Bud sich anschließt, als er es muss – weil sein Vorgesetzter ihm die Pistole auf die Brust setzt, weil seine Arbeitsmoral nicht stimmt. Und das tritt dann etwas los, das eine Lawine weiterer skurriler Ereignisse nach sich zieht…

Ganz ehrlich: Ich hab das Buch von Anfang an geliebt. Immer, wenn ich gedacht habe, absurder geht es nicht, hat Madeline Cash noch einen draufgesetzt. Zu keinem Zeitpunkt habe ich auch nur geahnt, wohin sich bestimmte Handlungsstränge weiterentwickeln – und wurde so immer wieder überrascht.

Gleichzeitig ist „Verlorene Schäfchen“ auch auf der sprachlichen Ebene ein Schatz. Wenn man bedenkt, dass die Großeltern der Mädchen einen Art Gnadenhof für alte Polizeipferde haben (der dann mehr zu einem Pferdefriedhof umgeschlagen ist), und dass Bud unerwartet zu Geld kommt, dann ist folgendes Zitat einfach genial: „Die Mädchen wunderten sich über die Spendierhosen ihres Vaters, hüteten sich aber, dem geschenkten Gaul ins Maul zu schauen, aus Angst, der Gaul könnte im Garten ihres Großvaters unter der Erde landen“. Auch die Namen der Figuren, der Schule der Mädchen und anderer Institutionen sagen nur „Nomen est Omen“. Oh, und: Die Punkte über manchen (aber nur manchen!) c im ersten Drittel des Buches sind KEIN Druckfehler…! Schaut genau hin…

Als sich herausstellt, dass anscheinend irgendwas doch nicht ganz sauber ist in der Geschichte, nimmt das Ganze auch inhaltlich eine (absurde, was sonst…!) Fahrt auf. Für mich ist „Verlorene Schäfchen“ ein ebenso skurriler wie spannender Roman, der sein Potential voll ausnutzt und aus der Masse heraussticht.

Dafür gibt es

🐀🐀🐀🐀🐀 5/5 Leseratten

[ad/unbezahlte Webung, selbst gekauft] 

Penguin

2357: C.M. Ewan – Er will nicht gehen

Wow! „Er will nicht gehen“ ist ein mega-spannender Thriller mit einem nicht ahnbaren Twist, der mich echt umgehauen hat!
Lucy und Sam müssen ihr liebevoll selbst renoviertes Haus verkaufen. Als sich Maklerin Bethany verspätet, der Interessent aber schon vor der Tür steht, überwindet sich Lucy, ihn ins Haus zu lassen. Das ist eine Herausforderung für sie, denn Lucy leidet unter einer Angststörung. Ihr Mann Sam ist nicht da, denn er leitet eine Selbsthilfegruppe. Als der Interessent erst einmal das Haus betreten hat, wird die Situation für Lucy unerträglich – denn Donovan will einfach nicht mehr gehen… blanvalet

2293: H.S. Palladino – Die den Schnee fürchten

Bjørk Isdahl weiß nicht, warum sie wiederkehrende Alpträume von Schnee hat. Zudem arbeitet sie nicht wie bisher als Profilerin, sondern als Coach und Drogenberaterin. Eine ihrer Klientinnen ruft sie spätabends an, will sich mit ihr treffen und stürzt sich dann aber vom Dach. Sie sagt Bjørk aber vorher, sie wisse, warum sie Alpträume habe. Bjørk begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit über ihre Klientin und nach der Verbindung, die es zwischen ihnen geben muss. Dabei weiß sie noch nicht, auf was für Abgründe sie stoßen wird… Blanvalet

1356: Mark Billingham – Die Schande der Lebenden

schandeder

Eine Therapeut und fünf Patienten in einer Selbsthilfegruppe – und einer von ihnen stirbt. Wie und warum? Und wer aus der Gruppe ist verdächtig, oder eher: Wer ist noch unverdächtig? Ein neuer, und wie Caro findet spitzenmäßiger Mark-Billingham-Roman!  Atrium

1185: John Katzenbach – Der Psychiater

katzenbachPsychiaterEine Buchrezension von Caro Kruse. Timothy Warner, Spitzname »Moth«, studiert Geschichte an der University of Miami – und er hat ein massives Drogenproblem. Jetzt ist er seit hundert Tagen »clean«, doch das hat er nur mit Hilfe seines Onkels Ed geschafft, eines prominenten Psychiaters und so etwas wie Moths Rettungsanker. Als Ed tot in seiner Praxis aufgefunden wird, stürzt Moth ins Bodenlose. Niemals war dies Selbstmord, auch wenn die Polizei noch so sehr davon überzeugt ist. Moths neue Aufgabe im Leben wird es, den Mörder zu stellen. Seine Nachforschungen führen ihn zu dem pensionierten Psychiatrieprofessor Jeremy Hogan, der seit einiger Zeit anonyme Drohanrufe bekommt. Ein unbekannter »Student Nr. 5« kündigt an, ihn umbringen zu wollen. Jedes Mal eröffnet er seinen Anruf mit der Frage: »Wessen Schuld ist es?« Es scheint, als wolle er Rache nehmen für ein Unrecht, das ihm vor Jahren während seines Studiums angetan wurde … Droemer Knaur Verlag