2478: Marc Raabe – Im Morgengrauen

Die bisherigen 3 Bände habe ich geliebt, und auch Band 4 der
Art-Mayer-Reihe wartet mit einem knalligen,  ins Auge fallende Cover auf. Auch die Story verspricht Rasanz: Kessy X, eine junge Frau, hat (gesichtslose) Videos im Netz veröffentlicht, in denen sie über ihre Affäre mit dem Bundeskanzler Henrik Westphal spricht. Der verschwindet daraufhin spurlos. Art ist alarmiert, schließlich sind Henrik und er seit der Jugend befreundet (wenn auch nicht immer ohne Probleme und Auseinandersetzungen).

Außerdem wird eine Leiche im U-Bahn-Tunnel gefunden. Handelt es sich um Kessy X? Und wenn ja – wo ist der Bundeskanzler? Art weiß nicht, wem er trauen kann, nicht einmal seiner Jugendliebe Juli (die gleichzeitig Henriks Ehefrau ist…!). Und dann gerät er selbst in den Fokus…

Marc Raabe erzählt „Im Morgengrauen“ mit Blick auf die verschiedenen ProtagonistInnen: Angefangen mit dem ersten Blick auf Kessy X, die am 7. Dezember ihr erstes Video aufzeichnet über die MitarbeiterInnen im Kanzleramt, die sich Sorgen wegen des Verschwindens des Kanzlers machen (bezeichnet als „Tag Null“), bis zu Art Mayer und Nele Tschaikowski. Die beiden untersuchen den Mord an einer jungen Frau in den U-Bahn-Tunneln, was angesichts der enthaupteten Leiche gar nicht so leicht ist. Der Verdacht steht im Raum, dass es die mysteriöse Kessy X sein könnte, doch eine Identifikation ist erstmal nicht möglich. Und dann geht die wilde Fahrt so richtig los:

Die Suche nach Henrik Westphal und nach der Wahrheit hinter den Videos nimmt Art und Nele vollkommen in Anspruch, doch auch privat sind die beiden gefordert: Nele hat mit ihrer kleinen Tochter alle Hände voll zu tun, und ihr Partner Roman verhält sich wenig kooperativ und sonderbar, und Art? Der ist hin- und hergerissen, denn Juli ist seine Jugendliebe (und seine Liebe hat nie wirklich geendet…), doch es ist nicht ausgeschlossen, dass Juli möglicherweise etwas mit der ganzen Sache zu tun hat. Art muss sich außerdem (zusammen mit Nele) um die kleine Milla kümmern (wer die Reihe kennt, kennt auch Milla) und auch mein absoluter Lieblingscharakter kommt vor: Leo!

Da ich nicht spoilern will, kann ich inhaltlich nicht viel verraten, aber: Während wir zwischen Kessys Erlebnissen, Arts und Neles Ermittlungen und dem was Leo so treibt springen, spitzt sich die Spannung nach und nach zu und es zeichnet sich eine mögliche Verbindung zu Arts und Henriks Vergangenheit ab. Außer einem kleinen Stück des Mittelteils, das sich für mich (für Stephan nicht) etwas zog, hat die gesamte Story viel Drive und Rasanz und bringt vor allem viele, viele lose Fäden nach und nach zusammen. Immer wieder hatte ich andere Ideen, was passiert sein könnte und wer damit zu tun hat. Und das schreibt Marc Raabe wie immer großartig!

Daher bekommt „Im Morgengrauen“

🐀🐀🐀🐀,5 4,5/5 Leseratten

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Ullstein

2472: Sabine Hofmann – Weiße Westen, schwarze Nächte

Es sind längst nicht alle Westen weiß…

Historische Kriminal- oder Spannungsromane spielen ja oft in Metropolen wie Berlin oder Hamburg. Das Buch, das ich euch hier vorstelle, setzt sich schon an dieser Stelle angenehm von anderen Büchern des Genres ab: Es spielt im Ruhrgebiet (und das in den 60ern). Genau so ungewöhnlich ist auch die Protagonistin, der wir durch „Weiße Westen, schwarze Nächte“ folgen: Hedy Voss (das zumindest ist ihr „Friedhofsname“). Sie ist schon lange Einbrecherin und übt dieses Gewerbe äußerst professionell aus. Es bleibt ihr auch nichts anderes übrig, denn sie muss sich um ihre psychisch kranke Schwester Elsa kümmern bzw. für ihre Versorgung bezahlen, und das kostet. Doch bei einem ihrer Einbrüche bekommt sie etwas Brisantes in die Hände, aus dem ausgerechnet ihre Schwester Geld herausschlagen will. Und schon geraten Hedy und auch Elsa in Gefahr. In große Gefahr. 

Sabine Hofmann hat sich wirklich für eine außergewöhnliche Protagonistin entschieden. In einer Zeit, in der Frauen noch als das „schwache Geschlecht“ gesehen wurden, übt Hedy nicht nur eine sowieso schon krasse Tätigkeit aus und weiß sich damit auch in der Hehler- und sowieso Männerwelt durchzusetzen. Sie tritt außerdem absolut emanzipiert und selbstbewußt auf. 

Hedy hatte von Anfang an meine tiefste Sympathie. Auch, dass sie eine Affäre mit dem verheirateten Peter hat (dem sie ebenfalls vorgaukelt, verheiratet und von ihrem Mann gelangweilt zu sein), unterscheidet sie deutlich vom „allgemeinen Bild einer braven Hausfrau“. Das macht sie für mich zu einer wirklich tollen Hauptfigur. Aber auch die anderen Charaktere sind in das historische Setting gut eingebettet (wenn auch unterschiedlich sympathisch): Angefangen bei Hedys Schwester Elsa über Antiquitätenhändler Seelig bis hin zu den beiden Ermittlern Meinhard und Wittkamp. 

Hedy lässt bei einem ihrer (gut geplanten) Einbrüche Informationen mitgehen, die explosives Potential haben, und damit beginnt eine für sie gefährliche Geschichte, denn mit Spionen und Spionage ist im geteilten Deutschland nicht zu spaßen.

Es sind bei weitem nicht alle Westen weiß, und der Reiz an Sabine Hofmanns Buch ist, dass man eben nicht weiß, wer möglicherweise in die Angelegenheit verstrickt ist (sein könnte) und wer nicht, also: Wessen Weste weiß ist und wessen Weste den ein oder anderen „Fleck“ hat. Das erzählt die Autorin in einem stimmigen historischen Setting, wobei mir die Geschichte zwischendurch an einer Stelle doch etwas zu verwickelt war, da Hedy in diesem Teil ein wenig in den Hintergrund rückt und es sehr um die politischen Verstrickungen ging.. Gleichzeitig birgt die Geschichte aber auch Überraschungen, mit denen ich so nicht gerechnet habe und die mir gut gefallen haben. Natürlich will man wissen, ob und wie Hedy aus der Situation wieder herauskommt!

„Weiße Westen, schwarze Nächte“ bekommt daher

🐀🐀🐀🐀 4/5 Leseratten

[ad/unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar vom Verlag] Vielen Dank an Sabine Hofmann und den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar!