
Es sind längst nicht alle Westen weiß…
Historische Kriminal- oder Spannungsromane spielen ja oft in Metropolen wie Berlin oder Hamburg. Das Buch, das ich euch hier vorstelle, setzt sich schon an dieser Stelle angenehm von anderen Büchern des Genres ab: Es spielt im Ruhrgebiet (und das in den 60ern). Genau so ungewöhnlich ist auch die Protagonistin, der wir durch „Weiße Westen, schwarze Nächte“ folgen: Hedy Voss (das zumindest ist ihr „Friedhofsname“). Sie ist schon lange Einbrecherin und übt dieses Gewerbe äußerst professionell aus. Es bleibt ihr auch nichts anderes übrig, denn sie muss sich um ihre psychisch kranke Schwester Elsa kümmern bzw. für ihre Versorgung bezahlen, und das kostet. Doch bei einem ihrer Einbrüche bekommt sie etwas Brisantes in die Hände, aus dem ausgerechnet ihre Schwester Geld herausschlagen will. Und schon geraten Hedy und auch Elsa in Gefahr. In große Gefahr.
Sabine Hofmann hat sich wirklich für eine außergewöhnliche Protagonistin entschieden. In einer Zeit, in der Frauen noch als das „schwache Geschlecht“ gesehen wurden, übt Hedy nicht nur eine sowieso schon krasse Tätigkeit aus und weiß sich damit auch in der Hehler- und sowieso Männerwelt durchzusetzen. Sie tritt außerdem absolut emanzipiert und selbstbewußt auf.
Hedy hatte von Anfang an meine tiefste Sympathie. Auch, dass sie eine Affäre mit dem verheirateten Peter hat (dem sie ebenfalls vorgaukelt, verheiratet und von ihrem Mann gelangweilt zu sein), unterscheidet sie deutlich vom „allgemeinen Bild einer braven Hausfrau“. Das macht sie für mich zu einer wirklich tollen Hauptfigur. Aber auch die anderen Charaktere sind in das historische Setting gut eingebettet (wenn auch unterschiedlich sympathisch): Angefangen bei Hedys Schwester Elsa über Antiquitätenhändler Seelig bis hin zu den beiden Ermittlern Meinhard und Wittkamp.
Hedy lässt bei einem ihrer (gut geplanten) Einbrüche Informationen mitgehen, die explosives Potential haben, und damit beginnt eine für sie gefährliche Geschichte, denn mit Spionen und Spionage ist im geteilten Deutschland nicht zu spaßen.
Es sind bei weitem nicht alle Westen weiß, und der Reiz an Sabine Hofmanns Buch ist, dass man eben nicht weiß, wer möglicherweise in die Angelegenheit verstrickt ist (sein könnte) und wer nicht, also: Wessen Weste weiß ist und wessen Weste den ein oder anderen „Fleck“ hat. Das erzählt die Autorin in einem stimmigen historischen Setting, wobei mir die Geschichte zwischendurch an einer Stelle doch etwas zu verwickelt war, da Hedy in diesem Teil ein wenig in den Hintergrund rückt und es sehr um die politischen Verstrickungen ging.. Gleichzeitig birgt die Geschichte aber auch Überraschungen, mit denen ich so nicht gerechnet habe und die mir gut gefallen haben. Natürlich will man wissen, ob und wie Hedy aus der Situation wieder herauskommt!
„Weiße Westen, schwarze Nächte“ bekommt daher
🐀🐀🐀🐀 4/5 Leseratten
[ad/unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar vom Verlag] Vielen Dank an Sabine Hofmann und den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar!