
Highlight ✨ – Was für ein unfassbar starker Thriller!
Schon Chris Warnats Debütthriller „Fünfzehn Sekunden“ hat mich mit seiner gelungenen Kombination aus Charakteren und gutem Plot begeistert. Natürlich musste ich also unbedingt die Fortsetzung lesen! „Vier Minuten Stille“ startet schon im Prolog mit einer temporeichen und unheimlichen Szene: Rahel, eine junge Frau, ist auf einem Festival, und sie fürchtet sich vor jemandem (wer das ist und warum bleibt natürlich erstmal offen) – als ein Unwetter aufzieht. Mit dem ersten Kapitel springen wir LeserInnen dann zeitlich ins Jetzt – und zu Protagonist Wase Rahimi, der zu einem Mord gerufen worden ist. Ein Anruf von einer Tankstelle – „Rahel Winter ist tot. Sie liegt im Garten“, und damit beginnt eine aufreibende Ermittlung für Wase und seine KollegInnen. Nicht nur, dass Rahel nackt auf einem Liegestuhl im Garten liegt, auf dem Kopf eine Mütze (ein bizarrer Anblick!), auch ihre Tochter Louca ist verschwunden. Als Wase beginnt, in Rahels Leben nachzuforschen, stößt er auf mehrere mögliche Motive für den brutalen Mord. An seiner Seite ist Emma Paulsen, aber auch Farah Rosendahl, die wir ja sehr gut aus dem ersten Band der Reihe kennen. Und die Entwicklung, die die Geschichte dann nimmt, ist unfassbar und viel persönlicher, als Wase zunächst denkt.
Als Chris Warnet bei unserer gemeinsamen Session bei Sprengerspricht andeutete, dass für meine Lieblingsfigur Lennart Bär im zweiten Band der Reihe eine wichtigere Rolle spielen wird, hat mich das unheimlich gefreut. Bär, ein sehr guter Freund von Wase und früher selbst Ermittler, ist ein vom Schicksal gebeutelter Mann, denn sein Sohn ist vor einigen Jahren verschwunden und seine Frau ist todkrank und im Hospiz. In „Fünfzehn Sekunden“ kam er schon vor und spielte dort durchaus auch eine Rolle, und auch jetzt taucht er wieder auf – noch mehr vom Schicksal geschlagen.
Sowieso ist das Chris Warnats ganz große Stärke: Sie schreibt Figuren, in und hinter denen sehr viel mehr steckt, als man zunächst vermutet. Das gilt für Wase und die anderen ebenso wie für Bär, auch wenn dieser (ehemalige) Baum von einem Mann von Anfang an mein Herz berührt hat.
Wase versucht also, Louca und den Mörder von Rahel Winter zu finden – die übrigens die Schwester der bei der Krisenintervention arbeitenden Psychologin Mona Winter ist. Diese Ermittlung fordert von Wase sowohl sein ermittlerisches Können, aber ebenso seine Einfühlsamkeit und seinen Instinkt. Gut, dass er von alldem reichlich hat! Als Protagonist trägt er die Geschichte, und macht sie gemeinsam mit den anderen Figuren (Ermittler ebenso wie Verdächtige) zu einem hochspannenden Thriller. Immer wieder blicken wir auch (kursiv gedruckt) in Rahels Vergangenheit, in der die Lösung des Falles verborgen sein könnten.
Dabei erzählt Chris Warnat sprachlich großartig und oft auch bildhaft („Wenn die Mordermittler ausrücken, werden sie meistens von Stille empfangen. Sie ist dicht und klebrig und unheilvoll. Es ist die Abwesenheit von etwas.“ (S. 21)
All das trägt dazu bei, dass mir „Vier Minuten Stille“ einfach unfassbar gut gefallen hat. Für mich ist es die perfekte Komposition aus tollen, nahbaren Charakteren, einer richtig guten Story und genial verwobenen Spannungselementen. Bis zum Ende habe ich mit Wase, Bär und den anderen gehofft, gebangt, nachgedacht – und war von der Auflösung dieses Falles überrascht (und emotional etwas angefasst). Mit diesem Ende habe ich nicht nur nicht gerechnet, es ist gleichzeitig so rund und passend und dennoch so schrecklich.
Wie unfassbar gut kann ein Thriller sein? Chris Warnat: Ja!
Daher bekommt „Vier Minuten Stille“ verdiente
🐀🐀🐀🐀🐀 5/5 Leseratten
[ad/unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar]
Vielen lieben Dank an Chris Warnat und Penguin für das Rezi-Exemplar!
