2481: Hjorth & Thorsson – Schlafende Vulkane

Das neue schwedisch-isländische Thriller-Traumduo! Oder doch Krimi-Traumduo?

Michael Hjorth und Bjarni Thorsson sind schon jeder für sich einfach unfassbar (und sehr) erfolgreich –  dass eine Zusammenarbeit der beiden ein wahrscheinlich tolles Ergebnis bringen würde, lag nahe. Mit „Schlafende Vulkane“ ist der erste Band ihrer gemeinsamen Thrillerreihe erschienen, in deren Mittelpunkt die Polizistin Helga Jónsdóttir und der eigenwillige Verkehrspolizist Bjarki Gudmundsson, genannt Grettir. Er wird Helga von Beginn an als „kein einfacher Mensch“ angekündigt, und neben seiner Fähigkeit, sich in der Wildnis zu orientieren. Und Helga braucht Bjarki: Sie ermittelt im Fall einer in einem Stall gefundenen, ermordeten jungen Frau, deren Sohn sich vermutlich in einer Höhle der isländischen Vulkanlandschaft versteckt. Den beiden bleibt nicht viel Zeit, und sie ahnen noch nicht, dass es weitere Morde geben wird…

Hjorth & Thorsson haben mit Helga und Bjarki  zwei ebenso gegensätzliche wie interessante Protagonisten geschaffen. Helga die erst seit kurzem in Island und gebürtige Schwedin ist, hat mit dem Mord an der Frau im Stall ihren ersten Fall im Dezernat für Gewaltverbrechen, und der fordert sie echt heraus. Gleichzeitig ist Stefan, der Vater ihrer Tochter, überzeugt, dass Helgas Beruf nicht gut zu ihrer Mutterrolle passt – was für Helga, die eine intelligente Ermittlerin mit gutetm Instinkt ist, keine einfache Sache ist. Bjarki/Grettir ist wie eine isländische Urgewalt (und nicht ohne Grund benannt nach der isländischen Sage von Grettir dem Starken). Die beiden müssen sich erstmal aufeinander einspielen, und trotz der Gegensätze finden sie beim jeweils anderen Ansätze für die Zusammenarbeit und sogar Sympathie.

Die anderen Kollegen von Helga (v.a. Larus, Benedikt, der Chef Gisli Freyr, Petur und Yvette) stehen in unterschiedlichen Verhältnissen zu ihr: Während sie sich mit Yvette richtig gut versteht und gerne mit Larus zusammenarbeitet, betrachtet der Chef sie kritisch und von anderen wird sie nur „die Schwedin“ genannt. Erzählt wird die Geschichte meist mit dem Blick entweder auf Helga oder auf Bjarki, selten mit dem Blick auf Gunnar, Yvette oder eine/n der anderen, und während die Ermittlungen voranschreiten, entwickelt Helga mit ihrem Team verschiedene Ermittlungsansätze. Der Ex der Toten wird ebenso in den Blick genommen wie ein unbekannter, vermummter Mann. Es wird klar, dass weitere Personen in Gefahr sein könnten, und lange Zeit weiß man als LeserIn nicht, auf wen und was diese Geschichte herausläuft. Im letzten Sechstel zieht das Tempo des Buches dann aber nochmal ordentlich an.

Die Figurenzeichnung ist skandinavisch-typisch wirklich gut und interessant, besonders die Gegensätzlichkeit von Helga und Bjarki gibt dem Ganzen einen gewissen Drive. Ebenso skandinavisch ist auch die Erzählweise, und für mich war es eigentlich eher ein Kriminalroman als ein Thriller, da auch die Ermittlertätigkeiten stark im Fokus stehen. Atmosphärisch fühlt man sich besonders durch Bjarki so richtig auf das raue Island versetzt, das hat mich sehr überzeugt. Ich hoffe, dass das in den Folgebänden ebenso sein wird und auch Helgas und Bjarkis Charakterzüge so individuell und stark weitergeführt werden.

Insgesamt war „Schlafende Vulkane“ für mich ein wirklich spannendes, gutes Buch. Vor allem Fans skandinavischer Krimis/Thriller kommen in meinen Augen voll auf ihre Kosten!

Dafür bekommt das Buch insgesamt

🐀🐀🐀🐀 4/5 Leseratten

[ad/unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar]
Vielen Dank an Rowohlt für das Rezensionsexemplar!