2479: Lia Middleton – Was sie immer wusste

Ein starker Thriller mit ambivalenten Charakteren – aber einem unpassenden Klappentext!

Ich habe Lia Middletons ersten Thriller „Confession Room“ nicht gelesen, aber einige begeisterte Meinungen dazu gelesen. Der Plot von „Was sie immer wusste“ klang vielversprechend: Harry ist mit Piera verheiratet,  eine Traumehe. Sie ist Staatsanwältin und nach der Geburt ihrer kleinen Tochter in Elternzeit, Harry kist gerade zum Kronanwalt aufgestiegen und muss sich beweisen. Der erste Fall, den er bekommt, bietet genau diese Chance: Er soll Francis Joseph (genannt Frank) verteidigen, der für den Mord an seiner Frau angeklagt wird. Dieser Fall kann seine neugewonnene Position festigen – oder ihn direkt wieder aus dieser herauskatapultieren. Zudem wird ihm der Fall (viel zu) kurzfristig und auf Wunsch des Angeklagten übergeben. Der Druck ist also groß, und Harry tut alles, um einen Freispruch zu erwirken. Doch nach dem Ende des Prozesses wird Frank ermordet, und auch Piera verhält sich merkwürdig.   

Für mich ist „Was sie immer wusste“ leider ein Fall von „Klappentext-Fail“. Denn dieser verrät in meinen Augen zuviel, was man im Verlauf der Geschichte eigentlich selbst merkt und herausliest (und dabei geht es nicht um den Mord an Frank). Nichtsdestotrotz, wenn ich vom Klappentext mal absehe: 

Das Buch wird in drei Teilen erzählt, beginnend mit „Der Ehemann“ und somit aus Harrys Perspektive. Er bekommt Frank als Klienten und muss sich schnell und intensiv mit ihm und seinem Fall auseinandersetzen. Dabei tauchen wir mit ihm tief ein in und erleben die Vorbereitung und auch den Prozess selbst. Dabei weiß er selbst nicht so wirklich, was er glaubt: Ist Frank undschuldig? Der behauptet nämlich ausgerechnet, dass nicht er seine Frau getötet hat, sondern sie sich selbst – was angesichts der Umstände des Todes von Linda sehr unwahrscheinlich aussieht. Harry hat keinen leichten Fall, keine leichte Position und auch keine einfache Gegnerin, denn die Anklage wird von einer sehr erfahrenen Kronanwältin vertreten. In diesem Teil wurde mir als LeserIn sehr deutlich, wie wichtig im britischen Rechtssystem die Rolle der Geschworenen ist und wie die Anklage und die Verteidigung darum kämpfen, diese von der Schuld bzw. Unschuld des Angeklagten zu überzeugen – mit allen Mitteln!

Schon in diesem ersten Teil merkt Harry (und wir mit ihm), dass seine Frau Pietra nicht nur unzufrieden ist, nicht zu arbeite, sondern sich auch seltsam verhält. Er ertappt sie sogar bei einer Lüge, schafft es aber in all dem Stress nicht, ein klärendes Gespräch zu führen – und weiß immer weniger, woran er bei Pietra ist. Im zweiten Teil springen wir dann zu ihr – „Die Ehefrau“ – und erleben einen Teil des schon Gelesenen nochmal durch ihre Augen und dann den Fortgang der Story, bevor im letzten Abschnitt „Das Paar“ dann alles zusammengeführt wird.

Eins ist klar: Jeder in diesem Buch hat Geheimnisse und man kann niemandem trauen. Natürlich weiß man (Klappentext sei Dank…) schon eine Sache, allerdings steckt noch einiges mehr dahinter, was immer nur angedeutet wird und bei dem man versucht, die Wahrheit herauszufinden. Gar nicht so einfach – denn keiner der Charaktere in diesem Buch ist eindeutig nur gut oder eindeutig nicht gut. Im Gegenteil: Ich bin immer wieder mit meiner Meinung über und meinem Empfinden zu den verschiedenen Figuren gesprungen, je nachdem, welche Entwicklung die Geschichte nimmt. Das hat mir richtig gut gefallen und ich finde daher die beiden Teile des Klappentextes, die in meinen Augen Spoiler sind, echt schade, weil zwei einschneidenden Momenten im Buch den Effekt nehmen. Ich glaube, ohne das wäre das Buch eine 5 von 5 gewesen.

So gibt es für „Was sie immer wusste“ aber gute

🐀🐀🐀🐀 4/5 Leseratten

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Piper