2465: Elizabeth Arnott – Ein guter Blick fürs Böse

Ein Buch mit starken Protagonistinnen, einer gut erzählten Story und einem manchmal auch nachdenklichen Blick! Drei Frauen in Kalifornien 1966, deren Männer überführte Serienmörder sind: Margot, Beverly und Elsie hat genau diese gemeinsame Vergangenheit zusammengeführt. Inzwischen leben sie ihr eigenes Leben weiter, doch natürlich spielt ihre Vergangenheit immer noch eine Rolle für sie – und manchmal auch für die Öffentlichkeit. Doch als erst eine Leiche und dann weitere gefunden werden, ist klar: Jemand ermordet Frauen. Jemand, der aufgehalten werden muss. Und wer sollte das besser können als drei Frauen, die mit dem Bösen verheiratet gewesen sind? 

Elizabeth Arnott erzählt „Ein guter Blick fürs Böse“ aus allwissender Sicht, so dass man immer wieder mitbekommt, welche Gedanken und Gefühle Margot, Beverly und Elsie haben. Und die sind, ebenso wie die Voraussetzungen, unter denen ihre Männer überführt wurden, sehr unterschiedlich:

Beverly war mit Henry Lightfood, dem „Heatwave-Killer“ verheiratet, hat zwei Kinder und will sich unbedingt dafür einsetzen, dass Frauen sicherer leben können. Dafür ist sie auch bereit, sich der Öffentlichkeit zu stellen.

Margot, die am meisten darunter leidet, dass sie sich von ihrem Mann Stephen hat täuschen lassen, liebt Cocktails und hat einen exklusiven Geschmack. Sie arbeitet aber inzwischen als Verkäuferin, anstatt als Politikergattin ein luxuriöses Leben zu leben. 

Und Elsie, die als Assistentin eines Zeitungsherausgebers arbeitet und so gerne als Reporterin tätig wäre, war mit einem Lehrer verheiratet, der sich ebenfalls als Serienmörder entpuppt hat. Als die ersten toten Frauen gefunden werden, sind sich diese drei so unterschiedlichen Frauen schnell einig: Sie haben die Erfahrung und das Wissen, um den Täter zu finden und weitere Morde zu verhindern.

Als LeserIn taucht man tief in die historische Atmosphäre der USA in den Sechzigern ein und begleitet Beverly, Margot und Elsie dabei, wie sie Spuren nachgehen, versuchen Informationen zu bekommen und diese zu kombinieren. Dabei ist Elsies Tätigkeit bei einer Zeitung ebenso nützlich wie Margots Gewitztheit und Weltgewandtheit oder Beverlys Wille, sich doch noch einmal mit den Schrecken ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Jede der drei bringt irhe Fähigkeiten ein, und wird gleichzeitig damit konfrontiert, dass die Öffentlichkeit sie immer noch als „Frauen von Monstern“ sieht und sich fragt „Wieso hat sie nichts gemerkt?“.

Neben der spannenden Geschichte auf der Suche nach dem Täter stellt „Ein guter Blick fürs Böse“ gleichzeitig wichtige Fragen bzw. Themen auf – z.B., dass (vor allem zur damaligen Zeit) der Fokus immer stark auf den Tätern lag und so gut wie gar nicht auf den Opfern – und dabei werden sie noch als besonders intelligent oder besonders herausgestellt. (Eine Thematik, die bis heute immer wieder auch bei True-Crime-Formaten ein Thema ist!). Oder die heute vollkommen überholten Ansichten von Beverlys Mutter, die der Meinung ist, dass männliche Gewalt gar kein so großes Thema sei und Beverly, die sich der Öffentlichkeit stellt, eine der Frauen sei, die einfach zuviel Bücher lese. Das mag uns heute bizarr-seltsam-lustig vorkommen, doch man darf nicht vergessen, dass es diese Meinungen (auch in der breiten Masse) tatsächlich gab (und erschreckenderweise teilweise noch gibt).

Die Auflösung des Falls ist vielleicht keine riesige Überraschung, aber absolut schlüssig und passend. Gleichzeitig hat mich das Gesamtkonzept mit den oben genannten punkten überzeugt und ich habe „Ein guter Blick fürs Böse“ sehr gerne gelesen. Spannend, historisch gesettet und gleichzeitig mit interessanten Charakteren besetzt bekommt dieser Krimi

🐀🐀🐀🐀 4 von 5 Leseratten

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Hoffmann und Campe